Das Geheimnis des 11er-Rates
Jeder hat sich sicherlich schon gefragt, welche Aufgabe und Funktion haben diese elf Männer auf der Bühne während einer Galakappensitzung, was machen diese beispiellos gut aussehenden Jungs eigentlich genau? Während einer vierstündigen Kappensitzung können verschiedene Details beobachtet werden. Zu Beginn ziehen sie meist im Marschschritt oder ähnlichem, laut singend und froh gelaunt in die Ollmersch-Halle ein. Anschließend setzen sich auf die sog. 11er-Ratsbühne, stehen aber ständig wieder auf, setzen sich auch wieder hin, grinsen oder lachen sogar punktuell, klatschen dabei, schunkeln sich regelmäßig den Wolf und verzehren nebenbei noch eine nicht unerhebliche Anzahl von alkoholischen Getränken. Dabei ist in ihren Gesichtern weder Müdigkeit noch Erschöpfung festzustellen. Betrachtet man sich die Truppe etwas genauer, registriert man äußerlich kaum Ähnlichkeiten, der eine ist korpulent, der andere dick, der eine ist klein, der andere groß, die einen sind im Takt, die anderen sind lediglich taktvoll zu den Damen. Nur eines haben sie gemeinsam, es sind alles Männer mit stählernem Humor, in ihrem Aussehen von der Natur verwöhnt, scheinbar eine ausgesuchte elitäre Gesellschaft des HCV. Möglicherweise handelt es sich um einen geheimen Zirkel der seinesgleichen sucht, denn gewöhnlich bleiben besondere Vorkommnisse, wie z. B. die Wanderung durch das wilde Kurdistan mit Herrn Jägermeister vom LCV oder auch das nächtliche Heckepflanzen bei dem Sitzungspräsidenten, ein dunkles Geheimnis. Das sorgt natürlich für grenzenlose Spekulationen über das exzessive Treiben dieser Truppe, die sich später aber in wundervollen Sagen wiederfinden und den Enkelkindern des HCV beim Zubettgehen erzählt werden. Doch da muss es noch mehr geben, wir versuchen das Geheimnis in den historischen Ursprüngen finden.
Richten wir zunächst unseren Fokus auf den Begriff „Elferrat“, wo stammt der Name eigentlich her? Nach ersten Überlegungen ist man überrascht, denkt man doch an zarte und liebreizende „Elfen“, sicherlich etwas unpassend für den HCV-Elferrat. Elfen sind aber Lichtgestalten, sog. Mittelwesen in Sagen und Märchen. Diese Beschreibung trifft zweifelsohne schon besser, denn bei diesen Typen handelt es sich durchweg um Lichtgestalten der Narretei. Das sind auch keine normale Menschen, sondern Mittelwesen, d. h. Wesen zwischen Menschen und Göttern in Erde, Wasser, Luft bzw. besser Bier.
Ein Blick in die karnevalistische Historie, ergibt jedoch eine etwas andere Erklärung. Der Begriff hat seine Wurzeln in der Besetzung der linksrheinischen Region durch Frankreich nach der Französischen Revolution. Französisch wurde Amtssprache, es galten französische Gesetze und französische Gerichtsbarkeit. Im Zuge der Revolution brachte dies aber auch die Bürgerrechte, mit einer gewissen Redefreiheit und einer Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz. Allerdings hatte dies mit der Niederlage Napoleons ein Ende. In Mainz stellten die Österreicher und Preußen gemeinsam die Militärmacht und Köln, die einst freie kaiserliche Reichsstadt, kam gänzlich unter preußische Herrschaft. Die Bürgerrechte wurden wieder abgeschafft. Daher wurde im Geiste der Französischen Revolution die Elf im Elferrat von den ihrer Rechte beraubten Bürgern als Zahl interpretiert, die die Gleichheit aller Menschen symbolisierte, sozusagen eins neben eins.
Folgerichtig lässt ELF sich daher aus den Anfangsbuchstaben der Losung der Französischen Revolution „Liberté, Egalité, Fraternité“- Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ bilden:


E steht für Egalité (Gleichheit)
L
für Liberté (Freiheit)
F
für Fraternité (Brüderlichkeit)

Der Elferrat verstand sich in den Ursprüngen somit als ein Rat im bürgerlich-demokratischen Geiste, versteckt unter der Narrenkappe. Aufgrund dieser historischen Wurzeln wird er auch das „Parlament des Narrenreiches“ genannt, obwohl diese Bezeichnung heutzutage den Deutschen Bundestag wohl zutreffender charakterisiert.
Offen bleibt allerdings, aus welchen Gründen der Elferrat ständig diese Narrenkappen trägt. Kulturhistorisch begründet sich die Narrenkappe auf der mittelalterlichen Gugel, einer kapuzenartigen Mütze, die hauptsächlich im ausgehenden Mittelalter um 1500 sehr in Mode war. In mittelalterlichen Psalterillustrationen des 13. Jahrhunderts sieht man den Narren oftmals kahlköpfig oder mit sehr wirren Haaren, später auch mit einer Total- oder Kranzglatze. Erst ab dem 14. Jahrhundert erscheint er mit einer Gugel, die sich grundsätzlich nicht unbedingt von den Kopfbedeckungen normaler Personen unterschied. Erst die Gestaltung des Kapuzenzipfels, welcher häufig außerordentlich lang war, gab den Narren der Lächerlichkeit preis bzw. wurde als Provokation empfunden, da diese Art nicht der Mode der Zeit entsprach.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich die einzipfelige Gugel zu einer zweizipfeligen, welche sich später zu einer Kappe mit Eselsohren wandelte. Mit den Eselsohren, die an den Enden zusätzlich noch mit Schellen besetzt war, sah sich der Narr in der Nähe des im Mittelalter nahezu umfassend als negativ bewerteten Esels wieder. Dieser stand neben der Dummheit und Lächerlichkeit auch für einer der Todsünden, der Trägheit.

Im 15. Jahrhundert trat zu den Eselsohren noch ein Hahnenkamm oder –kopf dazu, der auf den Scheitel, also mitten auf der Gugel, angebracht wurde. Anders als der Esel stand der Hahn im Mittelalter je nach Kontext für positive oder negative Dinge. Als Verkörperung eines Lasters bezeichnete der Hahn fast immer nur die lüsterne Begierde des Menschen. Der Narr stand somit als ein der fleischlichen Liebe verfallener Mensch, der sich von der christlichen Nächstenliebe entfernt hat. Auf nicht wenigen Illustrationen wird der Narr gar mit einem vollausgeprägten P..... statt des Hahnes auf der Gugel dargestellt.

Aus diesem Zusammenhang heraus entwickelte sich je nach Karnevalsverein eine einheitliche Narrenkappe, die in vielen Eigenschaften an die ausgeprägten Narrenattribute erinnert. Während die Eselsohren im Laufe der Zeit verschwanden, hat sich der Hahnenkamm ähnliche und fransenartig auslaufende Zipfel durchgesetzt. In Zeiten der Vogelgrippe und dem europaweiten Stallzwang ein besonderes Wagnis.

Es erstaunt wenig, dass sich die historischen Ursprünge und Symbole auch heute noch in der Fastnacht wiederfinden. So charakterisiert die ELF unsere Männer vom Elferrat als (E)inzigartig, (L)iebevoll und (F)antastisch. Daneben symbolisiert die Narrenkappe mit Hahnenkamm ein großes Laster, diese Jungs leben und sterben für ein paar Konfetti oder ein paar Millimeter Luftschlangen. Sie präsentieren mit Stolz unseren Verein und feiern unheimlich gern Fastnacht beim HCV und deshalb passt auch hier das Sprichwort „Jedem Narr sei Kapp“.

 

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